OC­CA­SION-AU­TOS – NICHT NUR ZUM AUSSCHLACHTEN

oder: ZWI­SCHEN­HALT AUF DEM WEG NACH AFRIKA

DA­HER AUTO – Occasionen/​Export – Auto An­kauf & Ver­kauf, steht auf dem blauen Schild an der Haus­wand des gros­sen Ge­bäu­des, in dem einst ver­schie­dene Bü­ros für den Schlacht­be­trieb so­wie Kühl­räume un­ter­ge­bracht wa­ren. Wer ge­nau hin­schaut, er­kennt un­ter den rot und weiss leuch­ten­den Let­tern noch den Schrift­zug der tra­di­tio­nel­len Bie­ler Ga­rage Merz & Amez Droz.

Diese ge­hört heute zur AHG-Hol­ding und hat an der Salz­haus­strasse vis-à-vis vom ehe­ma­li­gen Schlacht­hof zwar im­mer noch ei­nen Stand­ort, doch die Aus­stel­lung von Oc­ca­sion-Au­tos wurde vor ein paar Jah­ren vom Schlacht­hof­areal an die Bö­zin­gen­strasse verlegt.

Für Reda Da­her ein Glücks­fall: Er musste 2020 sei­nen an­ge­stamm­ten Stand­ort in Lyss räu­men, weil die Cen­travo Hol­ding AG für das von ihm ge­nutzte Areal Ei­gen­be­darf an­mel­dete. Nach 15 Jah­ren war er des­halb ge­zwun­gen, mit­ten in der Co­ro­na­zeit, ei­nen neuen Stand­ort zu su­chen – und war froh, als er nach lan­gem Hin und Her auf dem Schlacht­hof­areal fün­dig wurde.

Mit­ten auf dem Platz hat er ei­nen gros­sen Con­tai­ner auf­ge­stellt – rund­herum ein we­nig Grün, ein Grill, ein Tisch mit Stüh­len – drin­nen das ein­fach ein­ge­rich­tete Büro. Die meiste Zeit des Ta­ges sei er aber un­ter­wegs, sagt der Au­to­händ­ler. Bei Kun­din­nen und Kun­den, auf der Su­che nach Ge­braucht­wa­gen, die er für den Wei­ter­ver­kauf her­rich­ten lässt oder sel­ber auf Vor­der­mann bringt.

Bei ei­nem Kaf­fee kom­men wir ins Ge­spräch. Reda Da­her ist vor über 30 Jah­ren aus dem Li­ba­non in die Schweiz ge­kom­men. Zu­erst lebte er in Zü­rich, ar­bei­tete auf dem Bau, im Gast­ge­werbe… bis er den Au­to­han­del ent­deckte. Vor 21 Jah­ren ist er dann in die Re­gion Biel ge­zo­gen. Heute lebt Reda mit sei­ner Frau und den bei­den klei­nen Kin­dern in Stu­den. Ein gu­ter Ort zum Woh­nen, sagt er. Ru­hi­ger als in der Stadt – und doch nicht weit vom Zentrum.

Das Ge­schäft mit den Oc­ca­sion-Au­tos laufe seit Co­rona eher schlecht als recht, be­dau­ert der Au­to­händ­ler. Zum ei­nen, weil die Kon­kur­renz enorm gross sei und man Mühe habe, gute Ge­braucht­wa­gen zu fin­den. Aber auch, weil die Märkte teil­weise ge­sät­tigt seien.

Die meis­ten Oc­ca­sio­nen, die Da­her im An­ge­bot hat, sind für den Ex­port nach Afrika, Ost­eu­ropa oder in den Na­hen Os­ten be­stimmt. Nur ein klei­ner Pro­zent­satz der Wa­gen eig­net sich für den Schwei­zer Markt. Diese lässt Reda Da­her her­rich­ten und führt sie dem Stras­sen­ver­kehrs­amt vor, be­vor er sie wei­ter­ver­kauft. Alt­wa­gen, die für den Ex­port be­stimmt sind, wer­den hin­ge­gen im glei­chen Zu­stand ver­kauft, wie sie an­ge­kauft wurden.

Mit ei­nem Trans­por­ter kom­men diese Au­tos nach Ant­wer­pen oder Gi­bral­tar, wo sie auf Schiffe ver­la­den wer­den. Frü­her hätte er so mo­nat­lich über 30 Oc­ca­sion-Au­tos ex­por­tiert, heute seien es im Durch­schnitt noch drei bis vier pro Mo­nat. «Es ist ein rich­ti­ger Kampf ge­wor­den», klagt Da­her. Der Ex­port von Ge­braucht­wa­gen bringe kaum mehr ein aus­rei­chen­des Ein­kom­men. Wenn er Au­tos im An­ge­bot habe, die er hier ver­kau­fen könne, sei die Ge­winn­marge we­sent­lich besser.

Auf dem Park­platz vor dem Con­tai­ner kön­nen die 35 bis 40 Au­tos, die Da­her je­weils im An­ge­bot hat, frei be­sich­tigt wer­den. Vom Lie­fer­wa­gen bis zum Ca­brio­let mit leicht ram­po­nier­ter Sei­ten­tür fin­det sich eine breite Pa­lette an Ge­braucht­wa­gen – die meis­ten zu güns­ti­gen Prei­sen. Der Platz sei gut, sagt Da­her. Aus­ser ein paar klei­ne­ren Dieb­stäh­len hätte es bis­her kaum Pro­bleme ge­ge­ben. Ein­zig die Krä­hen auf den Bäu­men, un­ter de­nen ein Teil der Au­tos par­kiert sind, sor­gen zu­wei­len für viel Dreck und Ärger.

Al­les in al­lem fühlt sich Reda Da­her wohl auf dem Areal. Man pflege ein schö­nes Ver­hält­nis mit den an­de­ren Nut­zern, das sei wirk­lich gute Nach­bar­schaft, sagte er noch letzte Wo­che. Wie be­reits Merz & Amez Droz, be­legt er mit sei­nen Fahr­zeu­gen nur ei­nen Teil der Bra­che auf dem Areal. Da­für be­zahlt er mo­nat­lich CHF 1500.—

Kürz­lich habe ihm die Stadt Biel je­doch an­ge­bo­ten, das ge­samte Areal für CHF 3000.—im Mo­nat zu mie­ten. An­ge­sichts der an­ge­spann­ten Ge­schäfts­si­tua­tion könne er sich diese Aus­la­gen nicht leis­ten – er habe der Stadt des­halb mo­nat­lich CHF 2000.—angeboten, er­zählt Da­her. Dar­auf sei die Lie­gen­schafts­ver­wal­tung je­doch nicht ein­ge­gan­gen und habe in Aus­sicht ge­stellt, den Frei­raum als Park­plätze für Pri­vate zu ver­mie­ten, er­zählte Reda Da­her Ende Juli.

Nur zwei Tage spä­ter zog ein wei­te­rer Au­to­händ­ler auf dem Schlacht­hof­areal ein. Städ­ti­sche Ar­bei­ter ha­ben sein Areal mit Bro­cken von Ju­ra­ge­stein um­ran­det, die ers­ten Wa­gen wur­den be­reits plat­ziert. Er heisse Mus­tafa, ha­ben der Holz­bild­hauer Chr­igel und sein Kol­lege Jac­ques be­reits in Er­fah­rung gebracht.

Na­tür­lich freut sich Reda Da­her nicht über diese neue Kon­kur­renz gleich ne­benan. Und auch wir von der IG Schlacht­hof-Kul­tur­zen­trum wun­dern uns über die Ge­schäfts­po­li­tik der Stadt: Als ob es nicht an der Zeit wäre, die Zahl der rund um den Bahn­hof sta­tio­nier­ten Au­tos zu re­du­zie­ren, statt wei­ter­hin wert­vol­len und zen­tral ge­le­ge­nen Stadt­bo­den für das Par­kie­ren von im­mer mehr Steh­zeu­gen zu vermieten…

 

Das seit dem 1. Au­gust 2021 von der Lie­gen­schafts­ver­wal­tung neu ver­mie­tete Stück Schlacht­hof-Areal: Be­reits am 31. Juli stan­den erste Oc­ca­sio­nen des Kon­kur­ren­ten von Da­her-Auto auf dem Platz:

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.